Sie sind jung, wunderschön. Wie teure Rennpferde, hat einmal eine Freundin gesagt. Models. Mit ihrer Physiognomie Ausnahmeerscheinungen. Schöne Frauen gibt es viele – aber nur wenige Frauen weltweit sind so schmal gebaut, haben so symmetrische Gesichtszüge, dass sie für den Beruf eines Models in Frage kommen. Ein Geschenk der Natur.

 

Derzeit laufen wieder Heerscharen junger Models über die Laufstege der Fashionweek in Berlin. Mailand, Paris, New York – die berufliche Hochsaison beginnt wieder. Nur wenige dieser dürren Schönheiten wird man wiedersehen - in kaum einer Branche ist die Fluktuation höher. Und der härteste Gegenspieler ist das Alter.

 

Ein glamouröses Jet-Set-Leben? Nur für jene Handvoll junger Frauen, die sich für ein paar Jahre lang "Supermodel" nennen dürfen. Die Exklusiv-Verträge mit Kosmetik-Herstellern oder Dessous-Fabrikanten haben. Der Rest? Schöne, aber gesichtslose Verbrauchsware der Designer, wenn man es despektierlich ausdrücken will.

 

Wie also sieht der Alltag eines "normalen" Models aus?

 

 

Marine Deeuw arbeitet seit drei Jahren als Model. Entdeckt wurde sie mit 18, danach zog sie vom kleinen Ort Valenciennes im Norden Frankreichs nach Paris. Zusammen mit drei anderen Models bewohnt sie dort ein kleines Apartment, die Mädchen teilen sich auch das Schlafzimmer. "Eine eigene Wohnung in Paris wäre zu teuer. So habe ich zwar keine Privatsphäre – aber immerhin zwei Freundinnen, die mein Leben teilen."

 

 

Auf dem Weg in die Agentur. "Ein Taxi kann ich mir nur selten leisten. Heute bin ich ein wenig spät dran, die U-Bahnen in Paris fahren nicht regelmäßig. Also gehe ich auf Nummer Sicher." So ein Modelleben schult einen, ganz widersprüchlich: Einerseits lernt man Disziplin, man muss früh aufstehen, flexibel sein, viel aushalten. Andererseits wird man während eines Shootings rund um die Uhr betreut, alles wird einem abgenommen.

 

 

 

Marine bei der Besprechung mit ihrem Booker. Er verteilt die Aufträge, sagt ihr, worum es bei dem Casting geht. Marine: "Ich weiß dann zwar, wann ich wo sein muss, wer der Kunde ist und das ich als Typ mal prinzipiell zum Konzept des Shooting oder der Show passe – aber ob ich diejenige bin, die wirklich gesucht ist, das entscheidet sich erst vor Ort."

 

 

Im Headquarter des libanesischen Designers Zuhair Murad warten Marine und andere Models auf die zwei Minuten Casting, die über den Auftrag entscheiden. Die 21-Jährige: "Das war immer das Krasseste für mich: Egal, wie hart ich arbeite - ich kann nicht beeinflussen, wie gefragt ich bin."

 

 

 

mode: Abiballkleider

 

Geschafft! Marina muss nicht nur ihr "Model-Buch" mit Fotos vorlegen, sie darf auch in eines der Couture-Teile schlüpfen. Marine: "Bei den internationalen Modewochen sind sehr junge Mädchen gefragt. Gerade am Anfang war es hart für mich, eine Absage zu kassieren, nur weil ich zum Beispiel braune und nicht blonde Haare habe. Doch ich bin froh, dass ich gelernt habe, das zu akzeptieren. Mit der Zeit wird man selbstsicherer und das hilft einem auch im Alltag."

 

 

Das Model gönnt sich eine kurze Pause, ehe sie weiter zum Casting von Valentino muss. "Heute ist ein guter Tag, es gibt viele Castings, die Chance auf einen Job ist höher. An anderen Tagen ist nur wenig los. Ich arbeite dann als Kellnerin, damit ich mir das Leben in Paris leisten kann." Trotzdem: "Viel planen kann ich nicht. Man ist als Model fremdbestimmt, dauernd ändern sich die Umstände."

 

 

Dieses Kleid wird Marina bei der Valentino-Show tragen. "Manche dieser Kleider sind mehr wert, als ich im Monat verdiene. Ich habe hohe Ehrfurcht vor der kreativen Leistung der Designer. Ich empfinde es als Ehre, wenn ich diese Teile präsentieren darf."

 

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