Laute orientalische Musik schallt einem entgegen. Frauen in ausgefallenen Kleidern mit viel Glitzer haben sich in der Mitte des Raums versammelt und tanzen. Sie haben sichtlich Spaß. Weiter hinten im Raum sind Tische aufgestellt, an denen man köstliche Speisen probieren kann. Es ist Zuckerfest, auf Türkisch Ramazan Bayrami oder auf Arabisch Id al-Fitr. „Da muss man feiern, trinken, tanzen und einfach fröhlich sein“, erklärt Nadeia Khairzad, die das Fest organisiert hat. Der eigentliche Termin wäre vom 5. bis 7. Juli gewesen, also genau nach dem Ende des Fastenmonats Ramadan, „aber da war das Stadtteilzentrum besetzt“, erklärt Khairzad. Also sei man pragmatisch gewesen und habe das Feiern verschoben.

 

Vor allem Frauen und Kinder aus Afghanistan sind gekommen. Die meisten sind Flüchtlinge und genießen die kurze Ablenkung von Papierkram, Deutschkursen und Sehnsucht nach der Heimat. „Ich wollte eigentlich, dass auch Männer kommen“, erklärt Nadeia Khairzad, die vor 22 Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, „aber die Frauen wollten das nicht, sie wollten sich mal völlig entspannen können“. Sie sei deswegen zwar ein bisschen enttäuscht, respektiere den Wunsch aber natürlich.

 

Rusia (rechts) und die anderen Gäste konnten beim Zuckerfest im Familienzentrum zwischen allerlei selbst zubereiteten Speisen vor allem aus Afghanistan wählen.

 

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Um das erste Zuckerfest dieser Art auf die Beine zu stellen, hat Khairzad schon mehrere Jahre im Voraus gespart. „Ich habe auf dem Internationalen Stadtfest zwei Jahre lang mit Kuchenverkauf Geld gesammelt“, berichtet sie stolz. Von den Einnahmen habe sie jetzt beispielsweise Essen für das Fest gekauft. Es gibt vor Sirup tropfendes Gebäck, Kekse aus Reismehl sowie einen Kartoffelsalat mit Kichererbsen und einer Art scharfem Pesto. „Süßigkeiten, Schokolade, Kekse und generell leckeres Essen“ würden einfach dazugehören, so die Afghanin, die auch selbst ein paar der Speisen vorbereitet hat. Das sei schließlich der Zweck des normalerweise dreitägigen Fests: Essen und Feiern nach einer langen Periode des Fastens.

 

Hände und Augen küssen

 

Aber es gibt auch noch andere spezielle Traditionen zum Zuckerfest. Jüngere küssten beispielsweise Älteren die Hände sowie die Augen und bekämen dafür im Gegenzug Geld geschenkt. „Und die Kleider müssen alle neu sein“, erzählt Khairzad. Es ist also kein Zufall, dass sich alle so in Schale geschmissen haben. Der Brauch mit den neuen Kleidern ziehe sich durch viele islamische Feste. Auch beim Opferfest, dem zweiten großen islamischen Fest, trage man nur neue Klamotten. „Und eine Kuh oder ein Schaf werden geschlachtet“, weiß Khairzad zu berichten. Geschenke wie in Deutschland zu Weihnachten würden bei beiden Festen keine sonderliche große Rolle spielen. Nur kleinere Kinder bekämen manchmal etwas geschenkt.

 

Weil alle so viel Spaß haben, will Nadeia Khairzad das Fest im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder anbieten. Sie weiß: „Viele Leute sind schon lange in Deutschland und konnten noch nie richtig Zuckerfest feiern.“ Jetzt, da sich das geändert habe, wären alle sehr glücklich. „Es ist so ein gutes Gefühl für die Leute, sie freuen sich und lächeln.“

 

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