Wie die Kurfürstin selbst schwebte Isabell Obry aus Pfungstadt zum landesweiten Schlosserlebnistag im Mannheimer Barockschloss ein, wehrte aber ab: „Das ist nur eine ganz normale „Robe à l’Anglaise“, und meine Mutter trägt eine „Robe Polonaise““, beschrieb sie die beiden Kleinmädchenträume aus Spitzen, Rüschen, Gold und Silber und lächelte dabei kokett hinter ihrem Fächer.

 

Der Sohn präsentierte sich dabei als junger Mann schon im „Justaucorps“, dem Herrenkleidungsstück, das einem prunkvollen Soldatenrock angepasst ist. „Normalerweise müsste er in diesem Alter noch ein Kleid anziehen, denn bis ins sechste Lebensjahr trugen Buben und Mädchen das Gleiche.“ Als Mitglied des historischen Tanzkreises Bensheim kannte sich Obry nicht nur im höfischen Kleidungsstil, sondern auch bei Hofe selbst aus. „Wir dachten, dass der Schlosserlebnistag eine gute Gelegenheit ist, mal wieder unsere Kleidung zu lüften“, sagte sie lachend und freute sich über die Aufmerksamkeit, die sie in der festlichen Aufmachung erregte, denn trotz des Aufrufs, sich in Samt und Seide zu hüllen, waren nur wenige Besucher kostümiert ins Schloss gekommen.

 

Beim Schlosserlebnistag im Mannheimer Barockschloss reisten die Besucher in die Vergangenheit.  Foto: vaf

 

image: elegante abendkleider

 

Gräfinnen, Fürsten, Hausmeister und Schlossgespenster – das bot der landesweite Schlosserlebnistag im Barockschloss Mannheim. Wie in alten Zeiten wurde getanzt, gelacht, poussiert und gefeiert. Unter dem Motto „Schlossspitzen“ tauchten Jung und Alt in die Welt der Adligen, aber auch der Bediensteten ein.

 

An Glanz und Gloria fehlte es trotzdem nicht. Als „Gräfin Charlotte von Sickingen“ führte eine waschechte Hofdame der Kurfürstin die Kinder in einer der drei Sonderführungen durch das Schloss und verriet ein wenig aus dem gar nicht so einfachen Leben der fürstlichen Gesellschafterinnen. „Man durfte sich den ganzen Tag nicht setzen. Das war in dieser Aufmachung sicher kein Vergnügen“, erklärte Maria Mayer, wie die Gräfin mit bürgerlichem Namen heißt. Dann schlüpfte sie aber sofort wieder in ihre Rolle: „Zum Glück hat die Kurfürstin selbst meine Ehe arrangiert. Und ich hatte Glück: Mein Gatte war auch noch hübsch.“

 

Andere Besucher kostümierten sich erst vor Ort. So wie Kerstin Overhage aus Landau, die ihre Töchter Lorena und Emily mitgebracht hatte. „Wir waren noch nie im Schloss, obwohl wir oft daran vorbeifahren. Ich habe vom Schlosserlebnistag in der Zeitung gelesen und gedacht, dass heute mal eine gute Gelegenheit für einen Besuch ist“, erklärte sie, während sich die beiden Mädchen auf den Kostümfundus stürzten, Stirnreif, festliche Kleidung, Zepter, Krone und Fächer für das Foto auf dem Thron im Vestibül aussuchten. Dabei hatten es die Damen deutlich schwerer, als die Herren. „Weste, Jacke, Hut – fertig“, erklärte Besucher Ulrich Morgensen aus Mannheim.

 

„Wir haben uns mit dem Mannheimer Schloss gerne am Schlosserlebnistag beteiligt“, erklärte Mardeck. Denn trotz seiner schieren Größe sei die kurfürstliche Residenz ein Geheimtipp. Selbst für Mannheimer eher Universität denn Ausflugsziel. „Mannheim braucht Unterstützung“, erklärte Mardeck deshalb und verwies auf die Sonderführungen.

 

Abendkleid blau