Man muss kein Modeexperte zu sein, um zu wissen, wie wichtig die richtige Präsentation ist. Das gilt für die Boutique genauso wie für das Mindelheimer Textilmuseum: In den vergangenen Monaten ist das Schaufenster der Textilgeschichte saniert und komplett umgestaltet worden. Vor der offiziellen Neueröffnung am Freitag, 1. Juli, hat Museumsleiterin Doris Wenzel der Mindelheimer Zeitung schon einmal gezeigt, was sich alles verändert hat.

 

Dadurch, dass die Ausstellung zum Thema Wohnkultur nach der Sanierung nicht mehr ins Textilmuseum zurückgekehrt ist, hat dieses einiges an Platz gewonnen. Schwierigkeiten, diesen zu füllen, hatte Doris Wenzel jedoch keineswegs. „Die Sammlung von Hilda Sandtner ist so umfangreich, dass wir keine Probleme hatten, außergewöhnliche Stücke zu finden.“ Sie schätzt, dass ungefähr 60 Prozent der Textilien, die nun in die Sammlung aufgenommen wurden, noch nie zu sehen waren. Dazu gehören etwa ein mit schwarzer Spitze überzogener Sonnenschirm, den die Dame der Biedermaier-Zeit an einem kunstvoll geschnitzten Elfenbeingriff über sich hielt, um die noble Blässe nicht zu gefährden.

 

Trotz aller Neuerungen wirkt die Aufteilung der Räume bekannt: Im Gang kann man an Kleidern, Kindermode und Designerstücke aus dem Rokoko über den Empire Stil bis in die bunten 70er-Jahre vorbeispazieren und so die Anfänge der Haute Couture und deren Weiterentwicklung verfolgen. Auch Hüte sind dort zu bewundern.

 

Weitere Accessoires wie Strümpfe, Handschuhe, Taschen und Fächer haben am Ende des Ganges ihren eigenen Raum bekommen. „Durch die neue Anordnung kommt nun einiges besser zur Geltung, was früher von so manchem pompösen Kleid in den Schatten gestellt wurde“, findet die Museumsleiterin. Aufwendig handgearbeitete Schatullen für Krawatten und Handschuhe zeigen, dass es sich damals schon um ganz einzigartige und wertvolle Stücke gehandelt hat, die mit besonderer Leidenschaft bestickt und sorgfältig aufbewahrt wurden.

 

Doris Wenzel will dabei nicht nur zeigen, wie kunstvoll die Ausstellungsstücke sind, sondern auch, wie wahnsinnig zeitaufwendig es war, sie zu fertigen. Deutlich wird das vor allem bei den Stickereien und Spitzen. Hier wird an einem Beispiel erklärt, wie Klöppeln funktioniert. Aber selbst wer das einmal durchblickt hat, kann sich immer noch nicht vorstellen, wie lange es dauern würde, die ausgestellten Spitzen selbst zu klöppeln, zu häkeln oder auch zu nähen. An einem der größten Ausstellungsstücke, einem 1,70 mal drei Meter großen Tischtuch aus Nadelspitze, haben mehrere Frauen monatelang gearbeitet – ohne 35-Stunden-Woche, versteht sich.

 

Einer ebenfalls höchst emsigen Frau ist ein weiterer Raum gewidmet: Hilda Sandtner, die mit ihrer Sammlung den Grundstein für das Textilmuseum gelegt hat. Hier können sich die Besucher setzen und die Vielseitigkeit der Kunstwerke der Museumsgründerin bewundern. „Leider hat Frau Sandtner ihre eigenen Arbeiten nicht so geschätzt wie andere Stücke ihrer Sammlung, weshalb viele verloren gegangen sind“, bedauert Doris Wenzel. Und einige Stücke wie die Kirchenfenster in St. Elisabeth in Augsburg oder eines der Fastentücher seien unmöglich im Mindelheimer Textilmuseum unterzubringen. „Aber der Raum gibt ein wenig von der Kreativität und Leidenschaft wieder, die diese Frau angetrieben haben. Und auch die Bandbreite ihrer Interessen“, erzählt Doris Wenzel. Zwar habe die gebürtige Türkheimerin oft polarisiert, aber sie habe immer noch sehr viele Verehrer, die nun hier im Museum einige ihrer Werke besichtigen können.

 

Doch nicht nur Stücke aus dem Depot sind nun endlich ins Licht der neuen Strahler getreten. Für eine ganz besondere Anschaffung wurde eigens eine Vitrine gebaut, um das gute Stück in Szene zu setzen: ein Spitzen-Taschentuch von Sophie Charlotte von Bayern – einer Schwester der Kaiserin Sissi. Für das Museum erworben haben es die Volksbankstiftung und die Kleiner GmbH. Einige andere Stücke konnten mit finanzieller Hilfe des Förderkreises Mindelheimer Museen während der Schließung wieder restauriert werden. Allerdings weist die Museumsleiterin darauf hin, dass die Restaurierung keine komplette Wiederherstellung ist. „Das soll nicht wie neu aussehen. Es darf nur nicht weiter zerfallen oder zerstört werden“, gibt sie Auskunft.

 

Früher sei bei den Kleidungsstücken beispielsweise oft einfach ein passender Rock zum noch vorhandenen Oberteil genäht worden – ohne die Besucher darauf hinzuweisen. Heute sollen die Besucher sofort sehen, wie beschädigt das Ausstellungsstück war oder wie das Original ausgesehen hat, ohne ihnen etwas vorzumachen. Stattdessen geben nun Bilder im Hintergrund eine Vorstellung davon, wie die Kleidung wohl damals getragen wurde. Der Clou dabei: Auch diese Bilder – oftmals Originale aus Modezeitschriften – befanden sich bereits in der Sammlung und kommen nun endlich großformatig zur Geltung. Das gilt nun auch für einige der Ausstellungsstücke.

 

Abendkleid blau | abendkleid grün